Dehnreflexe werden in der Muskulatur ausgelöst, wenn der Muskel vorgespannt ist - z.B. beim Stehen oder in der Hocke - und gleichzeitig in sehr kurzer Zeit gedehnt wird. Der Dehnreflex äußert sich
durch eine schnelle Verkürzung des gedehnten Muskels und erfolgt eigenständig über das Rückenmark. Ein allgemein bekanntes Beispiel für den Dehnreflex ist das Vorschnellen des Unterschenkels, wenn
der Arzt mit dem Hämmerchen auf die Patellasehne (Sehne unterhalb der Kniescheibe) klopft. Genau diesen Reflex nutzt das Galileo Trainingsgerät immer abwechselnd im linken und rechten Bein ab einer
Trainingsfrequenz von ca. 12 Hz.
Seitenalternation - Beckenkippung
Durch die patentierte Wippfunktion (Seitenalternation) der Galileo-Trainingsplattform werden über die Beine Kräfte in den Körper eingeleitet. Dadurch wird die Lage des Beckens verändert - wie auch
beim Gehen - und über die Rücken und Bauchmuskulatur gehalten. Dies ist auch der Grund, warum die Stimulation während des Galileo-Trainings bis in die Bauch- und Rückenmuskulatur reicht.
Die Wahl der richtigen Frequenz
Unabhängig von der Trainingsfrequenz werden Durchblutung und Mikrozirkulation innerhalb der trainierten Körperteile stark angeregt sowie eine Verbesserung der Felxibilität und somit der
Energiespeicherfähigkeit im Sehnen-Muskel-Komplex erzielt.
Die Trainingsfrequenz hat darüber hinaus jedoch unmittelbaren Einfluss auf den Effekt des Galileo-Trainings und muss entsprechend dem Trainingsziel gewählt werden.
Zu beachten ist dabei, dass die genannten Angaben individuell um etwa 1-2 Hz variieren können, je nach Veranlagung und Fitness-Zustand des Anwenders.
Mittlere Frequenzen (ca. 12-20 Hertz)
Trainingsziel bei mittleren Frequenzen von 12 bis 20 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) ist das Training der Muskelfunktion als solche.
Bei einer Trainingsfrequenz von beispielsweise 15 Hertz beträgt die Zeit zwischen zwei Reflexzyklen ca. 67 Millisekunden (tausendstel Sekunden). Nach der reflexgesteuerten Kontraktion reicht die
verbleibende Zeit bis zur nächsten Kontraktion aus, damit sich der Muskel wieder vollständig entspannen kann. Denn die durchschnittliche physiologische Zeit für einen vollständigen
Kontraktions-/Relaxationszyklus beträgt nur ca. 50 Millisekunden.
Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Grundfunktionen des Muskels - nämlich sowohl Kontraktions- und Relaxationsfähigkeit als auch die Koordination effektiv trainiert werden sollen.
Durch die großen Wiederholungszahlen (z.B. 3 Minuten Galileo-Training bei 18 Hertz = 3.240 Zyklen) kann die Verbesserung der Muskelfunktionen erheblich schneller als mit anderen Trainingsmethoden wie
beispielsweise Gerätetraining im Fitnesszentrum erzielt werden.
Ein ganz entscheidender Faktor dabei ist auch, dass die Muskeltätigkeit beim Galileo-Training nicht willentlich gesteuert werden muß, sondern reflexbasiert und daher weitgehend unbeeinflusst vom
Willen des Trainierenden abläuft. Dadurch wird gewährleistet, dass sich die Regelkreise bestehend aus Muskel-Bänder/Sehnen/Knorpel-Nerven eigenständig optimieren können.
Galileo Training bei mittleren Frequenzen hat folgende Effekte:
Hohe Frequenzen (ca. 20-30 Hertz)
Hohe Frequenzen zwischen 20 und 30 Hertz dienen der Steigerung der Muskelleistung.
Bei hohen Frequenzen bleibt dem Muskel keine aureichende Zeit um einer vollständige Relaxation (Entspannung) innerhalb der kurzen Zeit zwischen zwei Zyklen zu erreichen. Vielmehr wird der Muskel
immer genau dann zu einer erneuten Kontraktion gezwungen, wenn er im Begriff ist, sich wieder zu entspannen oder schon teilweise entspannt ist.
Dies hat zur Folge, dass insbesondere die inter- und intramuskuläre Koordination bei größeren Kräften und innerhalb sehr kurzer Zeitspannen trainiert wird, was letztendlich zur Steigerung der
Muskelleistung führt.
Galileo Training bei hohen Frequenzen hat folgende Effekte:
Niedrige Frequenzen (ca. 5-12 Hertz)
Niedrige Frequenzen zwischen 5 und 12 Hz dienen der Mobilisation.
Bei niedrigen Frequenzen erfolgt die Bewegung der Galileo-Trainingsplattform nicht schnell genug, um Dehnreflexe auszulösen. Niedrige Frequenzen werden aufgrund des bewussten Ausgleichs der
Wipp-Bewegung deshalb insbesondere zur Mobilisation eingesetzt.
Galileo Training bei niedrigen Frequenzen hat folgende Effekte:
Zusammenhang Muskel - Knochen und Galileo® Training
Der Knochen adaptiert sich ein Leben lang auf die täglichen Maximalkräfte, welche auf ihn wirken. Diese führen zu einer kleinen, elastischen Verformung des Knochens. Überschreitet diese Verformung
eine gewisse Schwelle, so stimuliert dies den Knochen zum Wachstum, unterschreitet diese Verformung jedoch eine zweite (niedrigere) Schwelle, so wird der Knochen abgebaut. Beispiele für diesen Effekt
sind sowohl Astronauten, wenn sie sich lange auf Raumstationen im All aufhalten oder auch alte Menschen, wenn sie sich über lange Zeit zu wenig bewegen. Beide leiden dann unter einem
funktionsbedingten Knochenabbau, welcher leicht mit einer krankhaften Osteoporose verwechselt werden kann. Dieser funktionsbedingte Knochenabbau kann durch gezieltes Gallileo Training kompensiert
werden.
Erstaunlicherweise werden die auf den Knochen wirkenden Maximalkräfte nicht etwa durch äußere Einflüsse erzeugt, sondern durch die Muskulatur selbst. Dies wird einsichtig, wenn man die typischen
Hebelverhältnisse im Körper betrachtet. Als gutes Beispiel dient das Sprunggelenk. Beim steifen Hüpfen auf einem Bein (z.B. Seilspringen) erzeugt der Vorderfuß beim gesunden Menschen eine Kraft, die
etwa dem dreifachen Körpergewicht entspricht. Die Kraft hierzu muss im Wesentlichen vom Wadenmuskel erzeugt werden. Berücksichtigt man nun, dass das Verhältnis zwischen dem Abstand von Vorderfuß zu
Sprunggelenk und dem Abstand vom Sprunggelenk zur Achillessehne, an der der Wadenmuskel ansetzt, in etwa 3:1 beträgt, so muss der Wadenmuskel also eine Kraft erzeugen, die dem Neunfachen des
Körpergewichtes entspricht, um eine Kraft, die dem dreifachen des Körpergewichtes entspricht, am Vorderfuß erzeugen zu können. Da der Wadenmuskel ein Widerlager benötigt, muss diese Kraft also auch
auf den Knochen wirken. Es wirk also bei alltäglichen Bewegungen leicht eine Kraft vom 10-fachen des Körpergewichtes und mehr auf die Unterschenkelknochen. Zum Vergleich: Kommt man bei
durchgestrecktem Bein hart mit der Ferse auf, so erzeugt man eine Kraft, die typischerweise dem doppelten oder dreifachen Körpergewicht entspricht. In diesem Fall wirkt aber kein Hebel. Dieses
einfache Beispiel zeigt also, dass im Normalfall Kräfte, die durch die Muskulatur auf den Knochen wirken, deutlich größer sind als Kräfte, welche von außen auf den Knochen wirken.
Diese Tatsache macht deutlich, dass die richtige Art von täglicher Bewegung nötig ist, um einen Knochenabbau zu vermeiden. Gezieltes Galileo Training kann eben diesem Knochenabbau vorbeugen.
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